Was ist Vivir Bien? – KriSU-Online-Tool in Development

Unten folgt das Mission Statement der KriSU-Arbeitsgruppe „Vivir Bien. Erfassung von Ressourcen für nicht-kapitalistische Lebens- und Produktionsweisen“. Das Online-Tool ist noch nicht öffentlich zugänglich und befindet sich bis auf Weiteres in der Entwicklung. Es können bereits Objekte (z.B. selbstverwaltete Betriebe etc.) gemappt und mit einem partizipativen Taggingsystem beschrieben werden. Rund 50 Einträge sind bereits gemacht und es gibt internationales Interesse an einer Verwendung des bzw. Mitarbeit am Tool. Wir treffen uns bis auf Weiteres im selbstverwalteten Haus der Studierenden an der BOKU und hoffen, dass KriSU dort ein dauerhaftes Zuhause finden wird. Bei Interesse mail an krisu@riseup.net – Einladung zur Registrierung für das Online-Tool erfolgt auf Nachfrage.

Vivir Bien erfasst Initiativen und Strukturen, die abseits
kapitalistischer Gewinnlogik existieren. Solche Initiativen und
Strukturen nennen wir allgemein „Ressourcen“. Der Rahmen soll hier
möglichst breit gefasst sein. Aktivitäten mit verschiedenen
theoretischen Hintergründen und Labels bekommen eine Plattform. Zwei
Ansätze stehen im Zentrum von Vivir Bien: Solidarische Ökonomien und
Commons.

Solidarische Ökonomien zeichnen sich durch Selbstverwaltung
(ohne Top-Down-Management), gleichberechtigte Kooperation (ohne
autoritäre Hierarchien) und Bedarfsorientierung (im Gegensatz zu
Profitorientierung) aus. Sie tragen im Idealfall zum Lebensunterhalt der
Beteiligten bei. Solidarische Ökonomien umfassen selbstverwaltete
Unternehmen, Non-Profit-Unternehmen, Umsonstökonomien und Verbände oder
Initiativen, die solche Ansätze unterstützen. Social Entrepreneurship
und Soziale Ökonomie stehen zwischen Solidarischen Ökonomien im engeren
Sinn und der konventionellen Ökonomie.

Commons sind Gemeingüter und -dienste. Sie sind im Besitz
einer Gemeinschaft von Nutzer_innen, die sie aufbauen und gegen Über-
oder Unternutzung etwa durch Privatisierung oder Machtmissbrauch
schützen. Commons beziehnen sich immer auf Ressourcen, auf die mehrere
oder alle Menschen einer community gleiche Ansprüche haben. Beispiele
sind digital commons (z.B. freie Software, Wissen) und natural commons
(z.B. Land, Wasser). Auch gemeinschaftlich verwaltete Produktionsmittel
Solidarischer Ökonomien gehören dazu.

Das Ziel der Erfassung Solidarischer Ökonomien und Commons liegt in
der Sichtbarmachung der „geheimen Ökonomien“. Sie sind Ansätze
nicht-kapitalistischer Lebens- und Produktionsweisen im und zugleich
jenseits des Kapitalismus. Um aus solchen Ansätze auch eine Alternative
zu gewinnen, müssen Solidarische Ökonomien und Commons jedoch stoffliche
Vernetzungen entwickeln: sie brauchen eine Bezugnahme auf lokal
verfügbare Ressourcen UND wechselseitige Kooperation. Dazu muss der
Markt radikal umgestaltet oder ganz überwunden werden, ohne auf
staatliche Planung zurückzugreifen.

Es ist darüberhinaus möglich, Projekte konventioneller Ökonomie zu
mappen – entweder, weil sie emanzipatorische Aspekte aufweisen (z.B.
Feminismus) oder als Negativbeispiele für problematische Entwicklungen
gelten können (z.B. Privatisierung des öffentlichen Raumes). Weiters
kann es interessant sein, Bedrohungen von Ressourcen, die abseits
kapitalistischer Gewinnlogik existieren, zu erfassen (z.B.
Überwachungskameras).

Eine solche Breite erfordert einen entsprechend flexiblen Ansatz für
die Erfassung der Informationen. Anstatt Projekte in vorgegebene
Schemata zu pressen verfolgt Vivir Bien einen komplett offenen Ansatz.
Inspiriert von Arbeitsweise des OpenStreetMap-Projekts
versuchen wir das Schema, wonach Ressourcen gemappt werden, in einem
offenen, parallel zum Mapping verlaufenden Prozess zu entwickeln.

Die Basis dafür ist denkbar einfach: Jede Ressource bekommt einen
Namen, und eine Liste von "Key=Value" Paaren – sogenannten Tags. Diese Tags
sind völlig frei zu vergeben, ein paar Beispiele wären:

  • adresse=Leebgasse 2, Wien
  • theoretischer_background=feminismus,wertkritik
  • interessiert_mich=ja
  • location=48.197649,16.322294

Im Lauf der Zeit werden sich bestimmte Konventionen, wie man welche
Tags verwendet, herausbilden. Anhand dieser einheitlich verwendeten Tags
kann der Computer dann z.B. Listen oder Karten erstellen. Es wird aber
immer noch möglich sein, eigene Tags zu verwenden oder neue zu erfinden.

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1 Response to Was ist Vivir Bien? – KriSU-Online-Tool in Development

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